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Rückenschmerzen...was kann die Ursache sein?

Radikulär, pseudoradikulär, strukturell, funktionell: was versteht man darunter?

RADIKULÄRE SCHMERZEN: Nervenwurzel
  • Stechende, brennende, elektrisierend Schmerzen, die durch Reizung oder Schädigung einer Nervenwurzel im Bereich der Wirbelsäule entstehen, z. B. durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Entzündung.
  • Strahlen entlang des Nervenverlaufs (Dermatom) in Arme oder Beine aus, oft begleitet von Kribbeln (Parästhesien) oder Muskelschwäche (Paresen). Oft distal (weiter unten) stärker.
  • Auch manchmal großflächig, diffus, ausstrahlend, tief liegend, bohrend.

 

Kurz nach dem Foramen intervertebrale (die Öffnung zwischen den Wirbelkörpern) verbinden sich die hintere und die vordere Wurzel in den Spinalnerv.

Dieser verzweigt sich wiederum in einen vorderen (medialalen) Ast und einen hinteren (lateralen) Ast.

 

1) Hinterer Ast:

 

Aufteilung in:

 

Medialer Ast:

  • Facettengelenke
  • kleinen Muskeln um die Wirbelsäule (Mm. multifidii)
  • Bänder zwischen den Wirbelkörpern (Liga. interspinale und supraspinale)
  • Dornfortsätze

Lateraler Ast:

  • Muskulatur um die Wirbelsäule (lumbale paravertebrale Muskulatur)
  • Im Lendenwirbelsäulenbereich auch die Haut.

Schmerz ist:

  1. lokal
  2. kreuzt nicht die Mittellinie

2) Vorderer Ast:


Ein Ast des Ramus ventralis verbindet sich mit dem Ramus communicans griseus und wird zum Nervus sinuvertebralis bzw. Ramus meningeus.

Er läuft zurück in den Wirbelkanal und versorgt Gefäße, die Meningen, den Wirbelkörper und das äußere Drittel des Anulus fibrosus der Bandscheibe. Die Innervation ist multisegmental und kreuzt die Mittellinie.

Diskogene Schmerzen sind deshalb weniger lokal und einseitig wie Facettengelenksschmerzen.

 

Aus dem ventralen Ast entsteht auch der periphere Nerv:

 

Schmerz ist:

  1. Ausstrahlung entlang der Dermatome bis in den Fuß, siehe Bild.
  2. Lähmungen
  3. Sensibilitätsstörungen.

PSEUDORADIKULÄRE SCHMERZEN: Muskeln, Bänder, länger bestehende Facettengelenksprobleme:

 

Schmerzen ähneln einer Nervenwurzelreizung (radikuläre Schmerzen), werden aber nicht durch eine direkte Schädigung der Nervenwurzel verursacht, sondern durch Probleme in umliegenden Strukturen wie kleinen Wirbelgelenken, Muskeln oder Bändern, oft mit diffusen Ausstrahlungen in Arm oder Bein.

Sie sind häufiger als echte Nervenschäden und haben eine bessere Prognose, da keine Lähmungen oder Gefühlsstörungen auftreten, aber oft eine deutliche Besserung durch konservative Therapien wie Physiotherapie und Entzündungshemmer. 

  • Nicht dermatombezogen
  • Keine Lähmungen
  • Keine Sensibilitätstörungen
  • Diffus
  • Tief
  • Bohrend
  • Oft nicht genau lokalisierbar
  • Können auch ausstrahlen.

STRUKTURELLE SCHMERZEN:

Direkte erkennbare, messbare körperliche Schäden oder Veränderungen:,

  • Bandscheibenvorfälle,
  • Arthrose,
  • Knochenbrüche oder
  • Entzündungen.

Sie sind abgrenzbar von funktionellen Schmerzen, da sie eine physische Gewebsveränderung im Bewegungsapparat (Muskeln, Knochen, Gelenke) aufweisen. 

 

ACHTUNG:

Nicht jede strukturelle Veränderung ist verantwortlich für die Symptome!!

Das Gespräch, die Untersuchung ist wichtiger als bildgebende Verfahren.

 

Behandlung erfolgt meist orthopädisch, physikalisch oder chirurgisch. 

 

Hauptursachen und Beispiele für strukturelle Schmerzen:

  • Degenerative Veränderungen: Verschleißerscheinungen wie Arthrose oder Bandscheibenvorwölbungen/-vorfälle.
  • Verletzungen: Knochenbrüche, Bänderrisse, Muskelrisse.
  • Entzündliche Prozesse: Arthritis oder Synovitis (Gelenkhautentzündung).
  • Raumfordernde Prozesse: Tumore oder Zysten.
  • Überlastungsschäden: Chronische Überlastungssyndrome (Overuse-Syndrom). 

FACETTENGELENKSPROBLEME (Wirbelgelenke): Arthrose oder Entzündung:

 

Typische Symptome:

  • Oft belastungsabhängige, einseitige Rückenschmerzen, besonders im unteren Rücken (LWS) oder Nacken.
  • Beim Beugen, Stehen oder Sitzen zunehmend und sich in Ruhe bessernd (Anlaufschmerz morgens). 
  • Sie können auch in Gesäß, Beine (bis zum Knie), Arme, Schultern oder Hinterkopf ausstrahlen und sich wie ein Pseudoradikuläres Syndrom anfühlen.
  • Oft mit Steifheit und Bewegungseinschränkung.
  • Ohne typische Nervenlähmungen. 

 

Allgemein:  

Gut lokalisierbarer Schmerz, Morgensteifigkeit, Druckschmerz, krampfartige Beinschmerzen, manchmal Taubheitsgefühl oder Kribbeln (wenn Nerven irritiert sind).

 

Ursachen:
Verschleiß (Arthrose) oder Reizungen.

Therapie:
Konservativ mit Physiotherapie, Wärme, Schmerzmitteln und gezielten Injektionen, manchmal ist auch eine Verödung (Denervation) nötig.  
STENOSE:
Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals.
Typische Symptome:
  • Belastungsabhängige Rückenschmerzen, die beim Gehen und Stehen in Gesäß und Beine ausstrahlen.
  • Diese sogenannten Claudicatio-spinalis-Schmerzen bessern sich meist durch Vorbeugen des Oberkörpers (z.B. Abstützen, Fahrradfahren) oder Hinsetzen.
  • Ziehende, krampfartige oder brennende Schmerzen, oft begleitet von Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in den Beinen.
  • Die Gehstrecke wird zunehmend kürzer (ähnlich der "Schaufensterkrankheit").

HWS-Stenose: Bei einer Einengung der Halswirbelsäule treten eher Nackenschmerzen sowie Missempfindungen in Armen und Händen auf.

 

Ursachen: 

  • Meist altersbedingter Verschleiß,
  • Bandscheibenvorfälle oder Wirbelgleiten, die Nervenstrukturen komprimieren. 

Behandlungsmöglichkeiten:

  • Konservativ: Physiotherapie (gezielte Kräftigung),
  • Schmerzmittel (NSAR wie Ibuprofen).
  • Operativ: Wenn konservative Maßnahmen nicht helfen, kann eine operative Erweiterung des Wirbelkanals notwendig sein. 

Aktiv bleiben, bei Lähmungserscheinungen oder Kontinenzverlust umgehend einen Arzt aufsuchen. 


FUNKTIONELLE SCHMERZEN:

 

Im Gegensatz zu strukturellen Schmerzen liegen funktionellen Schmerzen keine sichtbaren Schäden zugrunde (z.B. funktionelle Muskelverspannungen).

In der Praxis zeigt sich häufig eine Kombination von strukturellen und funktionellen Problemen.

 

Diagnose: 

 

Bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT.

Oft ist die Klinik wichtiger:

Nicht alle strukturellen Probleme müssen ursächlich die Beschwerden auslösen!!

Psychische Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen. 

 

Strukturelle Schmerzen sind oft akut, können aber bei anhaltender Gewebeschädigung chronisch werden. 


Zusatzinfos:

 

Warum ist es wichtig bei Problemen der Lendenwirbelsäule- mit/ohne Ausstrahlung in die Beine- die Brustwirbelsäule miteinzubeziehen?

 

Vom Seitenmark des 9. Brustwirbels bis 2/3 Lendenwirbels erfolgt die vegetative Innervation der Beine:

 

Was heißt eine vegetative Funktionsstörung der unteren Extremität? 

  • Eine Fehlregulation des autonomen Nervensystems
  • Durchblutungs-, Schweiß- und Temperaturveränderungen in den Beinen und Füßen.
  • Sie ist oft Teil einer übergeordneten Störung, wie einer Polyneuropathie oder der sogenannten "vegetativen Dystonie", bei der das Nervensystem übermäßig auf Reize reagiert. 

Symptome und Anzeichen:

  • Durchblutungsstörungen: Kaltes Gefühl, blasse oder bläuliche Verfärbung, Taubheitsgefühle oder Missempfindungen.
  • Schweißsekretion: Vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose) oder trockene, rissige Haut (Anhidrose).
  • Temperaturveränderungen: Eiskalte Füße oder Beine.
  • Funktionelle Probleme: Schweregefühl, Muskelschwäche oder Schmerzen (oft brennend).
  • Posturale Störungen: Kreislaufprobleme (Schwindel, Ohnmacht) beim Aufstehen, die auf eine fehlerhafte Blutdruckregulation in den unteren Extremitäten zurückzuführen sind. 

Plexus lumbalis:

 

 

Vom 12. Brustwirbel bis 1.-4. Lendenwirbel: Nervus femoralis: 2.-4. Lendenwirbel

 

Plexus sacralis:

 

Vom 4. Lendenwirbel bis 3. Sacralwirbel: Nervus ischiadicus.

 

Das Rückenmark im Wirbelkanal endet auf er Höhe des 2. Lendenwirbels.


Quelle:

Maitland IMTA

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