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Schmerzen...und das Nervensystem.

Unsere Nerven müssen sich ständig an alle Bewegungen anpassen können...das nennt sich Neurodynamik.
Dieser Begriff wurde erstmals von Shacklock (1995) beschrieben.
Es beschreibt die Anpassungsfähigkeit des Nervensystems an Bewegung durch Gleiten, Dehnen und Komprimieren.
Warum kann die Nervenbeweglichkeit gestört werden?
  • Durch Fehlhaltungen (Spannungen),
  • Verletzungen,
  • Bandscheibenvorfall oder
  • Operationen (Narben). 

 

Kann ein Nerv schmerzen?

 

Ja, das Nervensystem besteht aus schützendem Bindegewebe, leitenden Neuronen und Blutgefäßen.

Das Bindegewebe ist durch Gefäße versorgt und kann deshalb auch selbst zur Schmerzquelle werden.

Ist das Gleiten eines Nerv gestört, kann dies starke Schmerzen verursachen.

Ein Beispiel ist das "Piriformis Syndrom": Hier wird durch eine starke Spannung des Piriformis Muskels im Gesäß ein "Ischiasschmerz" ausgelöst.

 


NERVENTESTS DER UNTEREN EXTREMITÄT: BEINE

 

Zum Erkennen, ob Funktionsstörungen des peripheren Nervensystems (Nervenwurzel, peripherer Nerv) die Schmerzen, das Taubheitsgefühl oder die Schwäche verursachen können:

  1. Kraft
  2. Gefühl/Sensibilität
  3. Reflexe
  4. Spezifische Nervendehntests

1) Kraft:

  • Hüftbeugung gegen Widerstand: L1-3: Kennmuskel: Psoas
  • Kniestreckung gegen Widerstand: L3/4: Kennmuskel: Quadrizeps
  • Fußheben gegen Widerstand: L4: Kennmuskel: Tibialis anterior
  • Großezehenstreckung gegen Widerstand: L5: Kennmuskel: Extensor hallucis longus
  • Zehenspitzengang: S1/2: Kennmuskeln: Soleus und Gastrognemius.

2) Sensibilität/Gefühl:

  • Berührung: ev mit Pinsel: Dermatome. Der Seitenvergleich ist wichtig!

Getestet werden immer die Endpunkte der Dermatome:

L3: Kniegelenk innen und innerer Unterschenkel

L4: Schienbein und Fußrücken

L5: Großzehe

S1: äußerer Fußrand und Kleinzehe

S2: Fußsohle

  • Schmerzempfinden: mit spitzem Gegenstand
  • Vibration
  • Lagesinn: mit geschlossenen Augen

3) Reflexe:

 

Erhöhte Reflexe oder ein positiver Babinkyreflex wären ein Hinweis auf eine Läsion des zentralen Nervensystems: Gehirn/Rückenmark.

  • Babinsky Reflex: Positiv wäre ein Hinweis auf eine zentrale Läsion: Bestreichen der Außenseite des Fußes von der Ferse zu den kleinen Zehen führt zu Streckung der großen Zehe und Fächern der anderen Zehen.
  • Patellarsehenereflex: L3/4 (vermindert)
  • Achillessehnenreflex S1/2 (vermindert)

Sympathische Innervation ab TH10!!


4) Neurodynamische Tests/Nervendehntests:

 

Diese Tests prüfen, ob Nerven gereizt oder geschädigt sind: mechanisch durch ev. Bandscheibenvorfall oder auch durch entzündliche Prozesse.

  • Passive Nackenflexion: in Rückenlage: zuerst obere Halswirbelsäule, dann mittlere und untere Halswirbelsäule passiv anbeugen. Positiv, wenn Schmerzen ins Bein ausgelöst werden.
  • Straight Leg Raise (Lasegue): gestrecktes Bein anheben, bei 30-70 Grad einschießender Schmerz
  • Femoral Nerve Tension Test: in Bauchlage bei gestreckten Hüfte das Knie beugen: einschießender Schmerz: L2-4.

  • SLUMP Test: für die gesamte Nervenachse und den Nervus Ischiadicus. Patient sitzt und Rücken sinkt zusammen, Kreuzbein vertikal, Brustwirbelsäule beugen, am Ende Kniegelenk strecken. Schmerz wird ausgelöst. Durch beugen und strecken des Nackens verändert sich der Schmerz..
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Technische Untersuchungen:

  • Nervenleitgeschwindigkeit
  • Elektromyographie
  • MRT

NERVENMOBILISATION: SLIDER und TENSION: 

 

Gezielte, rhythmische Bewegungen (Slider und Tensioner), um den Nerv sanft durch sein Gewebe zu bewegen.

Kombinationstherapie: Wird oft mit manueller Therapie, Osteopathie und Übungen zur Verbesserung der Gesamtbeweglichkeit kombiniert.

 

Eigenübungen: 

 

Patienten lernen, sich selbst zu mobilisieren, um die Funktionsfähigkeit des Nervensystems langfristig zu erhalten. 

NERVENTESTS DER OBEREN EXTREMITÄT: ARME:

Sie ermöglichen die Zuordnung neurologischer Ausfälle zu Rückenmarkssegmenten (C5-Th1).

 

Dermatome (Hautareale) und Kennmuskeln (Obere Extremität):

 

C5:

  • Dermatom: Laterale Schulter und Oberarm.
  • Kennmuskel: M. deltoideus (Armabduktion), M. biceps brachii.
  • Reflex: Bizepssehnenreflex (BSR).

C6:

  • Dermatom: Radiale Seite des Unterarms, Daumen.
  • Kennmuskel: M. biceps brachii (Ellenbogenflexion), M. brachioradialis.
  • Reflex: BSR, Brachioradialisreflex.

C7:

  • Dermatom: Mittelfinger (zentraler Bereich).
  • Kennmuskel: M. triceps brachii (Ellenbogenextension), Handgelenkextensoren.
  • Reflex: Trizepssehnenreflex (TSR).

C8:

  • Dermatom: Ulnare Seite des Unterarms und der Hand, kleiner Finger.
  • Kennmuskel: Fingerflexoren (lange), Daumenextensoren.

Th1:

  • Dermatom: Mediale Seite des Ellenbogens/Oberarms.
  • Kennmuskel: Fingerabduktoren (Mm. interossei). 

Sympathische Innervation:

 

TH1-5

 

Kennwirbel TH4=Herz!!

 

Klinische Relevanz:

 

Die Überprüfung dieser Muskeln und Areale hilft bei der Lokalisation von Bandscheibenvorfällen oder Nervenwurzelkompressionen. Da sich Dermatome stark überlappen, sind insbesondere die "autonomen Zonen" (z.B. Daumen für C6) für die Diagnose entscheidend. 

Quelle:

Maitland IMTA

Manuelle Therapie nach Kaltenborn-Evjenth

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