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Schulterschmerzen beim seitlichen Armabheben...

....aus Sicht der Manuellen Therapie nach dem Kaltenborn/Evjenth Konzept.

In der Manuellen Therapie denkt man primär  nicht an Strukturen, sondern an Bereiche.

 

Welche Bereiche können Schmerzen in der Schulter- ausstrahlend in den äußeren Oberarm- machen?

  • Die Halswirbelsäule
  • Die Brustwirbelsäule
  • Nerven/neurale Strukturen
  • Der Schulterkomplex.

Nicht zu vergessen, Schmerzen können auch zentral werden.


Wie kann man einen Bereich lokalisieren?

Als Beispiel: Schmerzen beim seitlichen Armheben, ausstrahlend in den äußeren Oberarm.

  • Voraussetzung: Schmerz darf nicht ständig sein, man muss ihn "ein- und ausschalten"/provozieren können.
  • Ist der Schmerz ständig- in Ruhe, bei jeder Bewegung da,- muss ich an eine Zentralisieren des Schmerzes, einen entzündlichen Prozess oder uU auch an eine Fraktur/einen Knochenbruch denken.
  • Der Schmerz muss provoziert und/oder gelindert werden können.
  • Die Linderung durch eine bestimmte Bewegung ist aussagekräftiger als die Provokation eines Schmerzes.

Prinzipien:

  • Immer Provokation und Linderung austesten.
  • Gut ist, wenn der typische Schmerz in aktiver Bewegung ausgelöst werden kann.
  • Provokation: Schmerzeinstellung immer kurz vor dem Schmerz (P1).
  • Linderung: Ausgangsposition ist immer im Schmerz (P1).

UNTERSCHEIDUNG HALSWIRBELSÄULE/SCHULTER:

1. Provokation des Schmerzes: 

  • Betroffenen Arm bis kurz vor den Schmerz (P1) bewegen und halten.
  • Kopf nun in Richtung der schmerzhaften Schulter neigen und drehen und auch nach hinten bewegen lassen.
  • Schmerz wird mehr: Test ist positiv: Halswirbelsäule könnte die Ursache sein.

2. Linderung= aussagekräftiger:

  • Zuerst den Kopf zur betroffenen Seite drehen, neigen lassen und etwas nach hinten.
  • Dann den Arm bis zum Schmerz (P1) bewegen.
  • Nun den Kopf wieder zurück zur Mitte bringen.
  • Wird der Schmerz besser: Test ist positiv: spricht für Halswirbelsäule.

UNTERSCHEIDUNG NERVEN/SCHULTER:

1. Provokation des Schmerzes:

  • Arm bis kurz vor den Schmerz bewegen und halten.
  • In dieser Stellung die Hand strecken (Dorsalextension.)
  • Schmerz wird mehr: Test ist positiv: es könnten die Nerven daran beteiligt sein.

2. Linderung:

  • Zuerst die Hand nach hinten strecken (Dorsalextension)
  • Dann den Arm bis zum Schmerz bewegen.
  • Nun die Hand wieder in die Normalstellung zurückbringen.
  • Schmerz lässt nach: Test ist positiv: Hinweis auf ursächliche Beteiligung der Nerven am Schmerz.

Ist beides negativ, geht man davon aus, dass der Schulterkomplex die Ursache für die Schmerzen ist.

ÜBRIGENS:

  • 50% der über 60jährigen Menschen haben Sehnen/Muskeleinrisse.
  • 80% davon sind symptomlos
  • der Befund ist nicht gleich der Symptome!!

DER SCHULTERKOMPLEX als SCHMERZURSACHE,

wie geht es weiter?

 

Unterscheidung:

  • Acromioklavikulargelenk (ACG/Schulterdach)
  • Glenohumeralgelenk (GHG/das Schultergelenk)
  • Subakromialer Raum (der Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach)
  • Gelenksstrukturen (intraartikulär) oder Weichteile (extraartikulär: Muskeln, Sehnen, Bänder/die Kapsel)

Schultergelenk (GHG) 

1. Provokation:

  • Patient in Seitlage, betroffener Arm ist oben.
  • Therapeut steht davor, fixiert den Oberarm kurz vor dem Schmerz.
  • Therapeut schiebt/dreht das Schulterblatt Richtung Wirbelsäule: verstärkt die Stellung in der Schulter.
  • Schmerz wird mehr: positiver Test für das Schultergelenk.

2. Linderung:

  • Gleiche Ausgangsposition: Arm wird im Schmerz eingestellt.
  • Nun das Schulterblatt Richtung Arm drehen.
  • Schmerz wird besser: positiver Test für das Schulterblatt.

Beide Tests positiv: Schultergelenk kann die Ursache sein.


Subacromialraum/Impingement/Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach:

1. Provokation:

  • Patient liegt in Rückenlage, 
  • Therapeut stellt den Arm kurz vor dem Schmerz ein.
  • Therapeut fixiert das Schulterblatt
  • Zweite Hand schiebt den Oberarmkopf Richtung Schulterdach.
  • ACHTUNG: BEHANDLUNGSEBENE!!

2. Linderung:

  • Gleiche Ausgangsstellung
  • Therapeut fixiert den Arm im leichten Schmerz (P1).
  • Nun wird das Schulterblatt nach kranial (kopfwärts) geschoben.
  • Schmerz wird leichter, da Druck weggenommen wird: Verdacht auf Impingement.

Beide Tests positiv: Subakromialraum ist das Problem: ev. Impingement.


Weitere Tests:

  1. Tastbefund/Palpation
  2. Spezifische Beweglichkeit: kann der Oberarmkopf nach unten, nach hinten verschoben werden?
  3. Haltung, Brustwirbelsäule, Schulterblatt
  4. Muskulatur: Länge, Spannung, Kraft.

Therapie einer eingeschränkten Beweglichkeit seitlich:

 

Ursachen:

  • funktionell/reflektorisch: Schutzmechanismus: Therapie im schmerzfreien, widerstandsarmen Bereich: Grad I und II
  • strukturell: Verklebungen:: Grad III im Widerstandsbereich aber schmerzfrei!!

Grad I: minimale Mobilisation, Gelenkskapsel nicht unter Spannung

Grad II: Slack: Gewebe bis zur Spannung, aber keine Dehnung

Grad III: Dehnung von Gewebe.

Funktionsmassage:

  • Trapezius: in Seitlage, Arm zum Körper bringen, gleichzeitig Schub Richtung Halswirbelsäule. Auf der Stelle bleiben, nicht über die Haut rutschen.
  • Deltoideus: in Rückenlage: Arm zum Körper führen: ADD und Schub am Deltoideus Richtung Schulter.

Caudalgleiten des Oberarmkopfes: bei eingeschränktem nach unten Gleiten.

 

1. Funktionsgleiten:

  • Immer zuerst in Ruhestellung und dann in Endstellung: kein Schmerz!!
  • 3x 2 Minuten intermittierendes Gleiten im schmerzfreien Bereich.
  • Schulterblatt mit Gurt fixieren.
  • Schub des Oberarmkopfes Richtung Füße (ACHTUNG: Behandlungsebene)
  • Gleichzeitige Bewegung des Armes nach außen.

2. Mobilisation Grad III nach Kaltenborn:

  • In Ruhestellung: Fixation des Schulterblattes mit Gurt, Zug am Oberarmkopf fußwärts. Ev. 2. Gurt.
  • In aktueller Endstellung vor dem Schmerz: Schub nach kausal(fußwärts) Achtung Behandlungsebene!!
  • Über Schulterblatt: Oberarm mit Keil einstellen in aktueller Endstellung, 2. Hand greift unter Achsel zum Schulterblatt und drückt Schulterblatt kopfwärts.

3. Patientenselbstübung:

  • Arm auf Tisch
  • Gurt fixiert Oberarm nach unten
  • Schultergürtel hochziehen.

4. Straffe hintere Kapsel kann auch den Oberarmkopf nach oben ziehen:

 

Dehnung der dorsalen/hinteren Kapsel:

 

Ausführung:

  • Achtung Behandlungsebene beachten
  • Patient in Rückenlage, Gurt um den Brustkorb.
  • Schulterblatt mit Sandsack unterlagern/fixieren
  • Arm in horizontale Adduktion einstellen
  • Oberarm nach außen schieben, n ich's über Ellbogen hebeln.

Kann auch in jeweiliger Endstellung in Beugung und Streckung der Schulter ausgeführt werden. Eventuell zweiter Gurt um Oberarm des Patienten und Hüfte des Therapeuten.

 

Selbstübung:

  • in Seitenlage
  • Keil unter den Oberarm in 90 Grad Beugung
  • Rumpf zum Arm hindrehen
  • Andere Hand zieht den Ellbogen weiter in horizontale Addiuktion.

Warum soll man die Brustwirbelsäule in die Behandlung miteinbeziehen?

  • Die obere Extremität wird vom 1.-5. Brustwirbel sympathisch innerviert. Positive Beeinflussung des Sympathikotonus.
  • Eine starke Krümmung der Brustwirbelsäule/Hypomobilität wirkt sich auf eine vermehrte Belastung des Schultergürtel aus: mehr Bewegung, schlechtere Position des Schultergelenkes.

Vorbereitung:

  • Weichteiltechniken und Gelenksmobilsation in Seitenlage.

Mobilisation mit Keil: es wird nicht auf die Dornfortsätze gedrückt, sondern über die Querfortsätze mobilisiert.

  • 3 Brustwirbel auf gleicher Höhe wie Dornfortsatz
  • 3 Brustwirbel 1/2 Wirbelkörper unter Dornfortsatz
  • 3 Brustwirbel 1 Wirbelkörper unter Dornfortsatz
  • 3 Brustwirbel wieder auf gleicher Höhe wie Dornfortsatz.
  • Schub über Keil
  • Richtung an die Krümmung anpassen
  • Frequenzen: 60-80x/Minute und 100-150x/Minute zur Schmerzlinderung

Facettenseperation spezifisch:

  • Lagerung des Oberkörpers in Bauchlage in vermehrter Krümmung oder Streckung.

Selbstbehandlung:

  • Mit Keil oder 2 Tennisbällen in Rückenlage Brustwirbelsäule mobilisieren.

Stabilisation des Schultergelenkes:

  • Patient sitzt.
  • Therapeut zieht am Oberarm und Patient spannt dagegen.

Aktivität von Infraspinatus und Deltoideus Pars acromialis.

Wenig Aktivität: restlicher Deltoideus und Trapezius.


Quelle:

Manuelle Therapie nach Kaltenborn/Evjenth.

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Kommentare: 1
  • #1

    Waltraud (Dienstag, 03 Februar 2026 09:52)

    Gott sei Dank nicht die Halswirbelsäule ( habe den Test ein paar Mal gemacht) ! Ich habe keine Schmerzen direkt in der Schulter sondern am äußeren Oberarm zwischen Ellbogen und Schulter. Ich bin vor zwei Monaten gegen die Türschnallenkante gerannt u. beim seitlichen Armheben spüre ich einen sehr leichten Schmerz. Oder wenn ich nachts auf dieser Schulter schlafe. Glaube nicht dass es noch mit der Türschnalle zusammen hängt. Lt.dem Test eher impingement.